Das Speedtronic-Gasturbinen-Steuerungssystem (Mark-Serie) von GE ist eine zentrale Automatisierungsplattform für die Energiewirtschaft. Seit der Einführung des Mark I in den 1960er-Jahren wurde es bis zum Mark VIe weiterentwickelt. Diese Steuerungssysteme finden breite Anwendung in Gasturbinen, Dampfturbinen und Kombikraftwerken und erfüllen wichtige Aufgaben für die Netzstabilität und die Stromerzeugung.
Aufgrund ihres weitverbreiteten Einsatzes in der Energieinfrastruktur hat die Sicherheit der GE Mark-Serie erhebliche Aufmerksamkeit erregt. In den letzten Jahren haben die US-amerikanische Cybersicherheitsbehörde CISA und GE zahlreiche Sicherheitswarnungen herausgegeben, um Betreiber an die Gefahren durch Fernangriffe, Firmware-Schwachstellen und Risiken am Ende des Produktlebenszyklus von Geräten zu erinnern.
Mark I–IV (Frühe Systeme, außer Betrieb genommen)
Analoge und frühe digitale Steuerungssysteme sind im praktischen Einsatz weitgehend ausgemustert worden.
Das Hauptrisiko liegt in ihrem völligen Fehlen moderner Cybersicherheitsfähigkeiten.
Mark V (1990er Jahre)
Eine klassische digitale Steuerungsplattform mit Unterstützung für HMIs und Engineering-Schnittstellen.
Sie ist zwar noch in einigen Gasturbinen- und Dampfturbinenanlagen im Einsatz, erreicht aber das Ende ihres Lebenszyklus.
Mark VI (2000er)
Es wurden mehr Redundanz- und Netzwerkkommunikationsfunktionen eingeführt, wodurch die Systemzuverlässigkeit verbessert wurde.
Gleichzeitig brachte die verstärkte Vernetzung auch neue Sicherheitsrisiken mit sich.
Mark VIe (derzeitiger Standard)
Unterstützt moderne Ethernet-Kommunikation, Ferndiagnose und verteilte Steuerung.
Bietet zwar einige Netzwerksicherheitsfunktionen, aber es werden weiterhin Sicherheitslücken entdeckt und entsprechende Patches veröffentlicht.
CVE-2021-27426 (Schwachstelle im Mark VIe Web Tool)
Forscher entdeckten eine Sicherheitslücke in der Mark VIe-Entwicklungssoftware, die es Angreifern ermöglichte, ohne Autorisierung auf die Konfigurationsoberfläche zuzugreifen und die Authentifizierung zu umgehen. GE veröffentlichte daraufhin einen Patch und Maßnahmen zur Behebung der Sicherheitslücke.
CVE-2022-38648 (Fest codierte Anmeldeinformationen für Mark VI und VIe)
Einige Firmware-Versionen enthalten Standardkonten, die, wenn sie nicht deaktiviert oder angepasst werden, aus der Ferne kompromittiert werden können. CISA empfiehlt, den Patch umgehend zu installieren und eine Netzwerkisolierung zu implementieren, um Angriffe zu verhindern.
Risiken der Mark V-Serie am Lebensende
Obwohl einige Kraftwerke noch mit Mark V arbeiten, können neu entdeckte Schwachstellen, da GE keine Sicherheitsupdates mehr bereitstellt, nur noch durch physische Isolation und Zugangskontrolle behoben werden.
Anlagenidentifizierung und -klassifizierung
Prüfen Sie, ob es sich bei den Feldgeräten um Mark V, Mark VI oder Mark VIe handelt.
Kennzeichnen Sie Systeme mit dem Verfallsdatum/Ende des Lebenszyklus und priorisieren Sie die Ersatzplanung.
Patches und Abhilfemaßnahmen
Prüfen Sie regelmäßig die Empfehlungen von GE Digital und CISA ICS.
Bei Mark VI/VIe sollten offizielle Firmware-Updates umgehend installiert werden.
Für Mark V sollten Sie eine physische Isolation implementieren, HMIs mit Lesezugriff verwenden und Fernverbindungen minimieren.
Netzwerk- und Zugriffskontrolle
Die Mark-Steuerungssysteme müssen vollständig vom IT-Netzwerk des Unternehmens getrennt werden.
Mark VI/VIe HMIs dürfen nicht direkt mit dem Internet verbunden werden.
Jeglicher Fernwartungszugriff muss über ein VPN und Multi-Faktor-Authentifizierung erfolgen.
Langfristige Migrationsplanung
Kraftwerke, die Mark V betreiben, sollten schrittweise auf Mark VIe umgestellt werden, um fortlaufenden Sicherheitssupport und Funktionsverbesserungen zu erhalten. Ausgemusterte Mark I–IV-Systeme sollten außer Betrieb genommen oder vollständig ersetzt werden.
Die GE Mark-Serie spielt als zentrales Steuerungssystem für Kraft- und Gasturbinen eine entscheidende Rolle in der globalen Energiewirtschaft.
Da ältere Systeme jedoch oft keine Sicherheitsupdates erhalten und neuere Systeme häufig Sicherheitslücken aufweisen, sind sicherer Betrieb und Wartung unerlässlich. Nur durch regelmäßige Aktualisierungen, Netzwerkisolation, Zugriffskontrolle und Migrationsplanung lassen sich die Sicherheit und Stabilität von Kraftwerken und Stromnetzen gewährleisten.
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